Saison 07
Der Klangturm St. Pölten feiert in der Saison 2007 sein 10jähriges Bestehen. In dieser Zeit hat sich der Turm zu einem Zentrum für Klang- und Medienkunst in Niederösterreich entwickelt. Neben dem Aufzeigen aktueller künstlerischer Positionen ist dabei vor allem die Vermittlung für ein jugendliches Publikum ein ganz wesentliches Anliegen.
Das inhaltliche und künstlerische Konzept wird in der Jubiläumssaison von Kurator Hannes Raffaseder in enger Zusammenarbeit mit Markus Wintersberger (Medienkünstler, Krems/Wien) und Eberhard Kloke (Komponist und Dirigent, Berlin) erarbeitet und mit der Fachhochschule St. Pölten wurde wieder eine Kooperation eingegangen.
Neben dem Jahresthema „Intermedium: Orfeus07“ werden auch heuer Veranstaltungen und Sonderprojekte auf hohem künstlerischem Niveau angeboten: Veranstaltungsreihe KLANGnächte-NACHTklänge, einSchwingen und ausKlang.
Eine besondere Veranstaltung ist anlässlich des 10jährigen Jubiläums geplant: Aufnahmen von Chören aus Niederösterreich werden u.a. vom Elektronikmusiker Alois Huber bearbeitet und in einem groß angelegten audio-visuellen Openair-Konzert im Regierungsviertel St. Pölten präsentiert.
Das Jahresthema „Intermedium: Orfeus07“ wurde von Markus Wintersberger und Eberhard Kloke für den Klangturm als groß angelegtes Projekt konzipiert. Der Klangturm fungiert dabei als zentrale Schnittstelle, als „Think Tank“ und Impulsgeber. Das Projekt soll folgende Teile umfassen: umfassendes Webportal (www.intermediumorfeus07.com), künstlerische Bereiche im Klangturm, intermediale Performances und Installationen im Zentrum von St. Pölten sowie ein Symposium.
Inhaltlich beschäftigt sich „Intermedium: Orfeus07“ mit dem Orpheus-Mythos am Ursprung der Wirkung von Musik und Klang, also der ersten Oper vor genau 400 Jahren (Orfeo von Claudio Monteverdi), der menschlichen Stimme als täglich genützte Schallquelle und das Eintauchen in die Unterwelt als Metapher für das Unbewusste, die Erinnerung.
Die einzelnen Installationen in den Kugeln und Ebenen des Klangturms nehmen in vielschichtiger Weise auf die Thematik Bezug.
An der Glasfassade der Aussichtsterrasse werden mit Klebefolien „Gucklöcher“ angebracht, die auf besondere Gebäude in der Umgebung und jene Orte hinweisen, die mit „Intermedium: Orfeus07“ in Verbindung stehen. Eine Klanginstallation basierend auf Geräuschen aus der Stadt schafft eine besondere Atmosphäre.
Orfeus_Intermedium, der „orpheische“ Klang und seine Transformation sind Thema der 2. Klangkugel: die BesucherInnen greifen mit dem Klang ihrer eigenen Stimmen nicht nur interaktiv in eine Klang-Licht-Installation ein, sondern generieren diese erst. Die eigene Stimme verändert so die Stimmung im Raum. Eine kurze stimmliche Äußerung verändert die visuelle/akustische Umgebung („die Welt um uns“) nicht nur für einen Augenblick, sondern für einen längeren Zeitraum.
Das Digitale Spiegelkabinett auf der 2. Ebene basiert auf einer Video-Installation und einer Bild-Sound-Datenbank mit Material aus St. Pölten.
„Das Projekt Peripetie-Orfeus123 setzt programmatisch auf drei zeitlich extrem unterschiedliche Akzente aus dem Kontext Peripetie (entscheidender Wendepunkt-Umschwung") und fügt sie mittels einer intermedialen Verknüpfung ("Musik-Sprache-Raum-Video") zu einem geschärften thematischen Ansatz.“ (Wintersberger/Kloke 2007, Künstlerisches Konzept, Perepetie-Orfeus123.
Ausgangsmaterial für die Videoinstallation Talking_Buildings in der 1. Klangkugel sind Aufnahmen von unterschiedlichen Gebäuden aus der Stadt St. Pölten. Diese werden so animiert, dass sie scheinbar zu sprechen, zu singen beginnen.